Verleger-Blog

Mer lasse de Dom in Kölle

18.11.2007

Ja, der 11.11. ist ins Land gegangen und insbesondere ins Rheinland. Doch eins nach dem anderen, dies waren durchaus bewegte und abwechslungsreiche Tage.

Begonnen mit dem Freitag nachmittag, an dem Yvonne Naumann, Wolfgang Gogolin und ich selbst im Rahmen des Programms “Kultur im Knast” in der Hamburger Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel (bekannt als “Santa Fu”) aufgetreten sind. Die Kapelle des 10. November bot dafür den Rahmen, neben dem Stehpult des Pastors hat man für uns einen Tisch aufgestellt. Normalerweise dient dieser Raum geistlichen Botschaften, aber auch als Gesprächsforum an den Besuchstagen. Heute wird gelesen und den Gefangenen damit ein Stück der Welt “da draußen” näher gebracht. Und sieh mal an, insbesondere meine Geschichte über Coober Pedy stößt auf große Ressonanz. Einer der Insassen kennt den Ort, war 1984 dort gewesen, lange vor meiner Zeit. Beste Basis, um uns nach der Lesung noch etwas auszutauschen in einer lockeren, angenehmen Atmosphäre, die auch an jedem anderen Ort hätte stattfinden können… auch außerhalb hoher Mauern und Stacheldrahtzaun.

Globetrotter KölnDirekt von der Lesung ging es noch Freitag abend gen Süden – nach Köln. In der Welt schon viel rumgekommen, muss ich gestehen, dass ich noch nie in der Karnevalsmetropole am Rhein war. Und nun sprechen gleich zwei Dinge eindeutig dafür. Zum einen hat dort der größte Globetrotter-Laden aufgemacht, zum anderen will ich mich hier für ein Wochenende mit einem guten Freund treffen.

Nach einem Abend in der Hotelbar geht es Samstag morgen gleich zu Globetrotter, wo ich mich mit dem Leiter des Reisebuchbereits treffe. Neben ein paar Tipps für Köln, besprechen wir die Bestellungen fürs Vorweihnachtsgeschäft, die Möglichkeit von Veranstaltungen und über die Suche nach den besten Reiseberichten, die wir im nächsten Jahr starten werden und bei denen auch Globetrotter eine Rolle spielen wird. Und dann schauen wir uns natürlich in diesem “Tempel des Reisens” auch noch etwas um. Ein See in der Mitte, ein Kanu daran, Zelte auf einer Metallrostinsel darauf. Eine Eiskammer, Auswahl, Auswahl, Auswahl – und bald noch mehr Bücher von uns ;-)

So, jetzt aber ab durch Kölle und das heißt in erster Linie natürlich zum Dom – und zwischen hunderten von Asiaten hindurch. Sie alle Fotografieren sich irgendwie vor dem Dom und aus der Perspektive ist ersichtlich, das was immer drauf ist viel Asiate und wenig Dom sein muss. Wir versuchen es etwas besser zu machen, doch ohne entsprechendes Objektiv wird es immer nur ein Ausschnitt bleiben. Drinnen klingt gerade ein Gottesdienst aus und der Sakralbau selbst – so muss ich feststellen – ist innen gar nicht so spektakulär, es gibt wesentlich pompösere, glänzendere, beeindruckendere Kirchen.Kölner Dom Vielleicht wäre es anders, wenn man auch noch den Eindruck vom Domturm genießen würde – doch die Schlange vor der Turmkasse ist länger, als der Blick weit sein wird an diesem wolkig diesigen Tag. Also wieder raus, rum, am Bahnhof am Empfang für die 5. Jahreszeit vorbei (gut, zugegeben, nicht vorbei, ich habe dort ein Souvenir gekauft) und weiter durch die Stadt. “Zum Medienpark?”, da sollen wir die Bahn nehmen, das wäre zu weit zum Laufen, meint ein Polizist. Eine Bahnstation? Okay, der Kölner ist wohl bequem wie der Ami an sich, fährt wahrscheinlich mit seinem Polo zum Briefkasten. Wir laufen, entdecken die Stadt und stellen fest, dass diese gar nicht so große ist.

Am Abend dann der zweite Anlauf Köln. Es geht in die Altstadt, in ein Kölsch-Brauhaus, um dieses lekcere Getränk (ich hatte es bitterer in Erinnerung) aus diesen winzig kleinen Gläschen zu trinken und herzhaftes Essen als Grundlage zu uns zu nehmen. Im Sünner Kölsch Brauhaus Walfisch ist das für mich eine Schweinshaxe. Eher bayrisch finde ich, doch mit Kölsch dazu passt es in dieses Umfeld. In ein Umfeld aus langgezogenen Tischen voller Männer, die aus 5-Liter-Zapfsäulen ihre Gläschen befüllen und genauso schnell wieder leeren.

Nach gutem Essen und schmackhaftem Kölsch schlendern wir noch durch die Straßen, vorbei an voll gepackten Kneipen, aus denen Schlagermusik schallt, kehren am Rhein entlang und über die Deutzer Brücke zurück zu unserem Auto.

[mygal=jens_koeln_2007_11_17]

Kein Zweifel, mer lasse de Dom in Kölle! Aber vielleicht kommen wir nochmal wieder und schauen ihn uns nochmal an… warum eigentlich nicht zu Karneval…?

Und bis dahin? Bis dahin sehen wir uns ja hoffentlich nächsten Freitag, am 23.11.2007 ab 20:30 Uhr zu unserer Lesung bei Globetrotter Hamburg, Wiesendamm 1 in Barmbek. Neben der Faszination von Burma haben wir noch die eine oder andere Überraschung im Gepäck…

Abendstunden eines Verlegers

03.11.2007

Nur spärliches Licht erleuchtet das Wohnzimmer. Es ist noch nicht so spät, doch die Uhr ist umgestellt, die Tage neigen sich früh ihrem Ende zu und die Scheibe des Kamins ist einen halben Tag nach dem Putzen schon wieder verrußt.

Gedämpft flackert das Feuer dahinter, am anderen Ende des Raumes leuchtet verhalten das Wireless Music Center, aus dem “Hourglass” von Dave Gahan hämmert. Der Tag war zu ruhig bisher, den ganzen Tag über habe ich still am Laptop vor mich hingearbeitet – und das nachdem letzte Nacht erst ein Manuskript auf den Druckserver gewandert ist. Ja, in wenigen Tagen wird endlich das neue Buch der Autoren ohne Grenzen lieferbar sein. Diesmal werden sie Euch nach Alaska und in den Yukon führen – und die Geschichten sind abwechslungsreich, spannend und zeigen den amerikanischen Nordwesten in seiner ganzen Vielfalt – versprochen!

Doch damit nicht genug, die Vorbereitungen zur nächsten Ausschreibung der Autoren ohne Grenzen sind auch schon weit vorangeschritten und haben heute ihren vorletzten Schliff gekriegt. Und davon wird die Welt ;-) in Kürze erfahren.

Den Nachmittag habe ich dann auf dem südamerikanischen Kontinent verbracht. In den letzten Monaten haben wir ein deutliches Schwergewicht auf den Ausbau unseres Verlagsprogramms Richtung Asien gelegt – nun sind wir es unserem “Stammkontinent” Amerika mal wieder schuldig, das etwas passiert… und das wird es!

Vielleicht sogar gleich mit zwei Paukenschlägen. Denn eigentlich wollte ich jetzt Feierabend machen, Kamin, Musik, ein Glas Rotwein, vielleicht mit einem Film abschalten… da ist mir eine DVD-Hülle in die Hand gefallen, die eine junge Autorin mir auf der Frankfurter Buchmesse in die Hand gedrückt hat. Ich glaube, ich habe ziemlich verdutzt geguckt über das ungewöhnliche Medium. Was soll ich mit einer DVD? Doch diese ist nur die außergewöhnliche, auffallende Aufmachung. Darin ist eine CD mit dem Manuskript. Ich lese mir den Rückentext durch. Mmmh, entweder das ist ziemlich reißerisch aufgemacht oder echt gut… ich glaube, ich gönne mir noch ein paar Seiten Südamerika – und dazu englischsprachige Musik und australischer Wein. Naja, passt schon ;-)

Buenas noches!

Javahouse goes Overland

21.10.2007

Javahouse goes OverlandSamstag, den 20.10.2007, 13:43 Hamburg-Hauptbahnhof. Der ICE aus Basel rollt ein und bringt uns Besuch aus Vierzehnheiligen.

Thomas Heller ist Overland gereist – von Weimar nach Hamburg. Doch das allein klingt noch nicht nach einer großen Reisegeschichte. Dieser hat sich bereits vor einiger Zeit abgespielt, als Thomas und Friederike ebenfalls Overland gereist waren – von Sydney nach Jena.

Und von diesen Erlebnissen wollten die zalreichen Gäste im Hamburger Café Javahouse hören. Doch zuvor gilt es natürlich, dem Hamburgfrischling dieses Tor zur Welt zu zeigen!

Den Nachmittag verbringen wir in Speicherstadt, Deichstraße, Nicolaikirche, Hamburger Börse und Rathaus, Binnenalster und einigen Stadtpassagen, bevor uns die Schritte zum Hamburger Stadtmodell, über den Großneumarkt zum Michel – Hamburger Wahrzeichen und Hauptkirche St. Michaelis – bringen. Thomas ist beeindruckt, beeindruckt von der guten Restaurierung der Kirche, Geld das man in den Neuen Bundesländern nach seiner Einschätzung nur für die Dresdner Frauenkirche aufgebracht hat. Manche Dinge fallen in den westlichen Bundesländern offensichtlich noch leichter.

Portugiesenviertel, Hafen, Landungsbrücken (inkl. Fischbrötchen natürlich), eine Kaffeepause in der Hafenstraße, über Hans-Albers-Platz und Reeperbahn zurück zum Startpunkt.

Doch nun geht es ins Javahouse, wir sind 1,5 Stunden vor der Zeit, doch die Gäste warten schon – und das tun sie tatsächlich. Die ersten Gäste sind bereits da, haben sich etwas zu Essen bestellt, so wie wir es auch tun, andere Tische sind reserviert, die Grundlage für einen gelungenen Abend ist gelegt.

Gäste im Javahouse

Und in den starten wir dann auch mit dem knapp 2-stündigen Programm, dass uns aufdie 10-monatige Reise der beiden von den Fidschi-Inseln, über Neuseeland, Australien (ab das gilt die Overland-Route), Osttimor, Indonesien, Singapur, Malaysia, Thailand, Laos, China und in die Transsibirische Eisenbahn nach Moskau bringt. Am Ende stehen Thomas und Friederike wieder an einem deutschen Bahnsteig – und die Gäste im Javahouse in den Startlöchern für angeregte Fragen und abendfüllende Gespräche.

So ging das Javahouse gestern Overland – und wenn auch Ihr Overland gehen wollt, hier ist das Buch!

Frankfurter Buchmesse – Tag 5

14.10.2007

Applaus schallt durch die Hallen der Frankfurter Buchmesse… es ist vorbei… die Frankfurter Buchmesse 2007 geht ihrem Ende entgegen – doch fangen wir 24 Stunden vorher an.

Wie schon angekündigt ging es am gestrigen Abend – nach einem Essen mit unserem Standnachbarn – zum International Travel Guide Publishers Evening. Ein Taxi bringt mich in den Nordosten Frankfurts, wohin der Stefan Loose Verlag (DuMont-Gruppe) mich eingeladen hat. Vor der Kneipe sehe ich gleich die ersten bekannten Gesichter… aber so ist rauchen nunmal heute. Und drinnen, drinnen sind noch mehr.

Ich steuere auf meinen Einlader zu und setze mich auf den freien Platz neben ihn. Sogleich beginnt er mir die umliegenden vorzustellen. Direkt neben mir sitzt Lonely Planet, dort der Michael Müller Verlag, GeoCenter, der Trescher Verlag, Bikeline, Reise Know-How, dort die Autoren des Stefan Loose-Verlages für Peru + Guatemala (cool, darüber habe ich in “Panamericana Central” auch geschrieben!), Brasilien, Thailand, Sri Lanka und Myanmar (noch ein Reisensgenosse zu meinem “Road to Mandalay!) – und mit allen bin ich per Definition sofort per Du. Die Wurzeln der meisten Verlage liegen in den 70ern, erfahre ich (passt ja, meine auch), sie seien von Späthippies gegründet worden und das Individualreisen und dieses alljährliche Treffen vereinigt sie – und jetzt bin ich dabei. Viele gute Gespräche, ein paar Bier, eine Einladung auf die ITB Berlin, die Vereinbarung von Treffen für den nächsten Tag und eine späte Taxifahrt zurück in unsere Unterkunft prägen den Abend…

Der nächste Morgen wird etwas härter, der Trost ist, es wird nicht nur mir so gehen. Und heute ist Wachsamkeit gefordert, der letzte Tag startet, heute ist der Verkauf von Büchern zugelassen. Und was mir ein Buchhändler schon am Mittwoch angekündigt hat, bewahrheitet sich. Jetzt, wo Reisen nach Myanmar sicherlich schwieriger (aber nicht ausgeschlossen) sind, als noch vor einigen Wochen, ist das Land im Bewußtsein der Menschen – und wird zum Bestseller an unserem Stand. Das Buch Road to Mandalay belegt unangefochten Platz 1, Platz 2 teilen sich Als Expat in China, Autoren ohne Grenzen – Traumziele und Rückenwind.

Und dann ist es irgendwann vorbei, ein Gong verkündet den Schluss der Messe. 283.293 Besucher waren es in diesem Jahr, knapp 5.000 weniger als im Vorjahr, was man im allgemeinen auf den Bahnstreik am Messefreitag zurückführt. Das Ziel, die 300.000er-Marke zu knacken ist damit gescheitert – doch 5.000 mehr oder weniger, die größte Buchmesse der Welt hat erneut zahllose Menschen angezogen, hat bewiesen, dass dem Buch noch lange nicht die Stunde geschlagen hat, dass das Hörbuch weiter an Bedeutung gewinnt, mit 4,2% Marktanteil aber noch vieles vor sich hat.

Applaus schallt durch die Hallen der Frankfurter Buchmesse. Doch warum klatschen wir alle? Warum applaudieren und johlen die Aussteller? Weil es geschafft ist, weil es eine erfolgreiche Messe war, ein tolles Erlebnis, weil die Anspannung abfällt, weil wir noch ein letztes Mal Schwung zum Abbauen brauchen. Und warum auch nicht? Schließlich gibt es Reisende, die klatschen, nur weil ein Flieger runtergekommen ist! Als ob es eine Alternative dazu gäbe…

Und zum Abschluss noch ein Bilderbogen. Das war der letzte Tag der Frankfurter Buchmesse 2007: [mygal=jens_ffmbuchmesse_2007]

Frankfurter Buchmesse – Tag 4

13.10.2007

Messeturm Frankfurt“The sun is rising a new day” oder wie hieß das nochmal so schön? Gutes Wetter, der Feind guter Messetage mag man meinen, doch dies wird die Massen, die heute die Frankfurt Book Fair überrollen nicht bremsen – schließlich ist heute Mark Medlock in the house. Ja, unglaublich, das Bobbelsche kann nicht nur singen, es hat auch ein Buch geschrieben. Den Begriff “können” verwende ich hier bewußt nicht, ich kann es nicht beurteilen. Ich hatte gar nicht erst den Anreiz, mich dem Thema zu nähern und den Berichten zufolge, haben masochistisch Interessierte auch nicht weiter gebracht. Horden von Teenies in Atemnot hatten den Stand belagert.

Letztlich gut so, denn das bedeutete, dass die Comic- und Mangaverleger im Erdgeschoss unserer Halle wenigstens mal Atem holen konnten… für eine halbe Stunde oder so, bevor die nächsten Hundertschaften zum Cosplay (so nennt man in der Fachsprache das kostümierte Aufreten von Comicfiguren) antraten. Schade vor diesem Hintergrund, dass althergebrachte Jugenkultur an Bedeutung verliert. Zwar sind auch die 3 Fragezeichen auf der Messe präsent, aber die Aktion heute die ersten 1.000 Kinder auszuzeichnen, die verkleidet als Astrid Lindgren-Figur, die Messe betreten, ging glaube ich nach hinten los. Zumindest ich habe keine einzige Pipi Langstrumpf gesehen.

Voller MessestandAber dafür anderes! Zu Zeiten, als Julius Franzot, unser halbitalienischer Autor aus Triest bei uns am Stand zur Autorenstunde war, knubbelte es sich auch bei uns. Neben einem Beitrag zu den Backpacker-Geschichten der Autoren ohne Grenzen hat Julius in unserem Verlag auch ein Buch veröffentlicht, dass die Verbindung herstellt zwischen unserem Reiseprogramm und den humoristischen Anekdoten von Wolfgang Gogolin (alles unter Specials im Buchshop zu finden!). Julius Franzots diesjährige Veröffentlichung (vorgestellt auf der Leipziger Buchmesse) heißt somit nicht umsonst Aktenkoffer und Seidenstrümpfe – Die sinnlichen Abenteuer eines Handelsreisenden…

Insofern war der erste Besuchertag der Frankfurter Buchmesse bewegt. Und irgendwie hat er auch geschlaucht… und irgendwie ahne ich, dass der heutige Tag länger werden könnte… und irgendwie bin ich ziemlich sicher, dass der morgige Tag noch voller werden wird. Denn morgen – nur morgen – dürfen auf der Frankfurter Buchmesse Bücher verkauft werden… und wo es die gibt? Ganz einfach: Halle 3, 1. Stock, Gang K, Stand 644 ;-)

Frankfurter Buchmesse – Tag 3

12.10.2007

Nepalesischer BuchstandSo, da sind wir wieder, ein weiterer Tag der Buchmesse neigt sich dem Ende zu. Heute habe ich etwas mehr Zeit in meinem Kalender gehabt und habe den genutzt, die Hallen 3, 5 und 6 zu erkunden. Die Halle 3 ist eine der beiden Belletristikhallen, in der auch der Touristikbereich zu Hause ist, die Hallen 5 un 6 präsentieren (neben der Halle 8, die mir noch fehlt) die internationalen Verlage. In den letzten Jahren habe ich es immer gerade als interessant empfunden, den internationalen Markt zu beobachten, um zu sehen, was es in der Welt alles gibt und was die deutsche Buchbranche noch braucht.

In diesem Jahr waren die Erkenntnisse aber eher ernüchternd. Keinen einzigen internationalen Reiseliteratur-Verlag habe ich gefunden (ein US-amerikanischer Verleger hat mich allerdings gestern an unserem Stand besucht), dagegen erscheint offensichtlich, dass die Welt nicht mehr Länderbildbände braucht, als es schon gibt. Jeder redet immer darüber, Rechte an Literaturbüchern international zu vermarkten. Ob denen mal aufgefallen ist, dass es viel sinnvoller wäre, mit Bildbänden anzufangen, wo der Übersetzungsaufwand extrem überschaubar ist und die Bilder eine internationale Sprache sprechen? Anscheinen nicht. Was den Reisebereich angeht, dominieren Bildbände international absolut, Reiseführer sind auch vertreten, Reiseliteratur gar nicht. Aber die Verleger werden ja wissen, was sie tun! Erwähnenswert ist vielleicht, dass ich das Gerücht überprüft habe, dass es am portugiesischen Gemeinschaftsstand den besten Espresso der Messe gibt (stimmt!) und dass ein holländischer Verleger mir eine DVD des Sex an the City-Stars Kim Catrall geschenkt hat. “Sexual Intelligence” heißt die DVD und sie sei zwar auf holländisch, aber die Bilder sprächen für sich. Mmh, ich hatte in diesem Moment nicht mal meinen Presseausweis angesteckt, sondern mein traveldiary.de-Namensschild angeklemmt. Warum glaubt er also, ich bräuchte sexuelle Intelligenz…? Und warum schenkt mir ein Mann sowas…?

Weinprobe Hoffmann VerlagNaja, davon ab sollte ich vielleicht besser davon berichten, dass an unserem Gemeinschaftsstand von unserem Nachbar (der auch Weinreiseführer verlegt – Teile des Verlagsprogramms sind in unserem Shop zu finden) heute eine Weinprobe veranstaltet wurde. Und dass unser spanischer Stuhl ab morgen nachmittag nicht mehr unseren Stand zieren wird. Ich habe ihn gegen katalonischen Wein eingetauscht. Aber es ist ja nicht so, als ob wir nichts mehr in Reserve hätten ;-)

Eine Einladung zum Travel Guide Publishers International Evening (der morgen sein wird…) krönte den Tag. Verleger und Autoren sollen sich dort die Hand reichen und ich bin gespannt, auf die neuen Kontakte, die sich ergeben werden.

Bis dahin denke ich noch etwas über den heutigen Vortrag über Hörbücher und Second Life nach, besuche gleich noch einen Veranstaltung einer Live-Buchdruck-Vorführung und dann heißt es ein weiteres Mal: “Liebe Aussteller. Die Messe schließt in wenigen Minuten.”

Frankfurter Buchmesse – Tag 2

11.10.2007

Puh, ein weiterer Tag auf der Frankfurter Buchmesse geht zu Neige… doch erstmal sollte ich Euch noch vom gestrigen Abschluss berichten, oder?

Die Reiseverleger-Netzwerkparty hatte erstmal große Konkurrenz. Zeitgleich stand Blacky Fuchsberger zum Interview bereit und dem ehemaligen Showmaster, der danach sein Wunschdomizil Tasmanien und Australien medienwirksam promotete, war ich natürlich einen Besuch schuldig. Der Interviewer des Hessischen Rundfunks hatte auch seine liebe Mühe, zu Wort zu kommen und Blacky die Antworten auf die Fragen zu entlocken, die ihm manchmal zu stellen gelang.

Doch das Ende des Interviews haben wir nicht abgewartet, sondern sind zur Netzwerkparty gewechselt. Und so wechseln also Reiseverleger… in kleiner Runde… die großen Reiseverlage stoßen lieber an ihrem eigenen Stand unter sich an, unser Gastgeber ist ein Frankfurter Reiseverlag, der uns vor die Wahl zwischen Äppelwoi und Äppelsaftschorle stellte. Perplex antwortete ich “Äppelsaftschorle”, die natürlich aus dem Bämbel serviert wurde – wahrscheinlich ein sehr dezenter Hinweis auf das Lösungswort des heutigen Preisrätsel des Verlages. Nun gut, wir tranken ein paar Schlucke, netzwerkten ein paar Worte und folgten artig den Aufforderungen des Schlussgongs der Frankfurter Buchmesse – Tag 1 geschafft.Frankfurter Buchmesse - Touristik

Der heutige Tag startete ruhiger als der vorhergegangene. Die Hektik des Messestarts hatte sich gelegt, alles ging organisiertere Bahnen.

Die Besucherfrequenz stieg erfreulicherweise, spannende Gespräche bereicherten den Tag, Gespräche mit unserem Drucker über die Zusammenarbeit, mit einer technisch führenden Reiseplattform über eine Kooperation, mit Autoren über Buchprojekte, mit Reisejournalisten über die Wege zum Buch, mit Buchhändlern über Einkäufe, mit einer Thailänderin über “Mäi pen räi” und “Road to Mandalay”, mit einer Kriegs- und Krisengebietsberichterstatterin über ihre Fotos.

Und die Nachricht über das Partnerland der Buchmesse 2009 (2008 wird es die Türkei sein, dieses Jahr Katalonien – ich weiß, das ist kein Land, sondern eine Region und ich frage mich, ob die von der Buchmesse das nicht wußten…) haben wir heute vernommen: Das Partnerland 2009 wird China sein. Dann haben wir doch mit unserer Neuveröffentlichung “Als Expat in China” schon das richtige im Programm! Aber ob 2009 – im Jahr nach den olympischen Spielen von Peking – es noch etwas ungeschriebenes über das Land geben wird? Wenn es so ist, werden wir es jedenfalls rechtzeitig veröffentlichen!

So viel von heute, dem zweiten Fachbesuchertag der Frankfurter Buchmesse 2007. Morgen wird der dritte auf uns zukommen, der Freitag, mit Sicherheit der bevölkerungsreichste Fachbesuchertag – und der gleitende Übergang zur Publikumsflut, die am Samstag und Sonntag über uns hereinbrechen wird! Und morgen habe ich keine Termine, außer den, Euch abends wieder aus dem Pressezentrum zu schreiben. Morgen werde ich also die Messehallen durchstöbern und nach Neuigkeiten für Euch und uns suchen…

Frankfurter Buchmesse – Tag 1

10.10.2007

Es ist wieder soweit, die Tore sind geöffnet, der Wahnsinn nimmt seinen Gang, die Buchwelt trifft sich in Frankfurt. Etwas wahnwitzig war der Einstieg für uns diesmal wirklich. Die Buchmesse wollte es uns leicht machen – dachten wir. Zur Anmeldung gab es ein einfaches Formular, auf dem wir ankreuzen konnten “Ja, wir wollen alles wieder so wie im letzten Jahr!”. Das nenn ich Service, das nenn ich Kundenfreundlichkeit. Kreuzchen gemacht und glücklich gewesen mit meiner Wahl.

Dienstag abend, 20:00 Uhr, wir erreichen die Messe. Aufbau bis 22:00 Uhr, also ran an die Buletten! Regale aufstecken, Bücher sortieren, umsortieren, Regale beschriften. Warum ist es eigentlich so dunkel hier. Wir haben keine Beleuchtung in unserem Stand? Mit der Elektrofirma telefoniert: Wir haben keine Lampen bestellt. Und letztes Jahr? “Letztes Jahr hatten Sie Lampen bestellt.” “Aber ich habe angekreuzt, dass alles so sein soll, wie im letzten Jahr!” “Die Bestellung für die Elektrik ist aber leider nicht bei uns angekommen.”

Also zum Elektriker, Auftrag unterschrieben, morgen im Laufe des Vormittags soll das Licht kommen. Und am nächsten Morgen war schon Licht. Dafür kamen wir nicht aufs Messegelände. Wir haben kein Parkticket. Diskussion mit der Buchmesse. “Ja, mit den Parkplätzen haben wir nichts zu tun. Wir würden gerne, aber die Fraport vermietet sie nicht an uns, die macht das direkt” “Ja aber ich wollte einfach alles so haben wie im letzten Jahr!” “Aber das schließt die Parkplätze nicht ein…” “Und die Beleuchtung auch nicht…”

Messestand Frankfurt 2007

Doch so sieht der Stand letztendlich aus. Einer von 7.448 Ständen, erneut ein Ausstellerrekord, aus 108 Ländern reisen sie an, Exoten wir Andorra und Bangladesh darunter.

Doch nicht nur die Aussteller kommen aus aller Welt, auch die Besucher kommen aus aller Herren Länder und natürlich auch die Autoren. Dieter Nuhr und Klaus Wowereit habe ich gesehen und das sind nur zwei Beispiele von endlos vielen Prominenten. Und auch wir haben besonderen Besuch. Heidi Trautmann, die in Nordzypern lebende Autorin von “Early Bird” und unserer Neuveröffentlichung “Die Welt ist mein Zuhause” ist heute ebenfalls auf der Messe zu Gast und steht dem Fachpublikum an unserem Stand für Gespräche zur Verfügung.

Buchmesse 2007 Heidi Trautmann

Und wo ich hier gerade im Pressebereich sitze und diesen Bericht in unser Internetblog setze und während ich gerade von einer asiatischen Journalistin gefilmt werde, sehe ich an einem anderen der LAN-Plätze die Redakteurin der Offenbach Post ihren Bericht über Heidi Trautmann in die Worte fassen.

Ach ja – und nicht zu vergessen, wo schon mal eine zypriotische Autorin an unserem Stand ist, wird natürlich auch die zypriotische Presse auf uns aufmerksam und vielleicht erscheint dort nun dieser Tage ein Bericht über unseren Verlag.

So viel erstmal von der Frankfurter Buchmesse – mehr wird es morgen geben – und dann berichte ich vielleicht auch davon, wie die Netzwerk-Party der Reiseverleger war. In 40 Minuten gehts los, also schnell noch eine Abschlussrunde durch die Hallen und morgen inspizieren wir die Welt der Bücher dann noch ein Stück genauer…

Myanmar ist offline

01.10.2007

Es wäre wohl vermessen zu schreiben, ich kann gut nachvollziehen, wie es den Menschen in Myanmar zur Zeit geht, nur weil bei Alice auch unsere Verlags-DSL-Leitung seit Samstag nachmittag zusammengebrochen ist und ich jetzt von Internetcafes aus arbeiten muss.

Aber vor nicht einmal einem Jahr haben wir dieses faszinierende Land noch bereist, haben Menschen kennengelernt, die so offen und freundlich sind, wie man das vielleicht aus Thailand kennt und doch noch ein bisschen mehr, da sie von Touristen noch nicht überflutet werden, die mit wenigem zufrieden sind und bei denen man gar nicht den Eindruck gewinnt, dass sie zur ärmsten Bevölkerung dieser Erde zählt. Menschen, die so friedliebend sind, dass man sich wundert, dass sie dann doch aufstehen und ihren Weg durch die Straßen von Yangon und Mandalay gehen.

Ein Weg der steiniger ist, als man es sich vorstellen kann, in einem Land, das seit Jahrzehnten von einer Militärregierung dominiert wird und wo das gewählte Staatsoberhaupt, die Friedensnobelpreisträgerin Aung San seit dem Wahlsieg vor 17 Jahren unter Hausarrest steht.

Tagelang hat Myanmar die Headlines der Medien bestimmt bis die Regierung von wenigen Tagen das Unterseekabel für internationale Telefon- und Internetverbindungen gekappt und Mobiltelefone in großem Stil konfisziert hat. Und schon schweigen die internationalen Medien, sie haben keine Bilder mehr, keine News, Burma schreibt keine Schlagzeilen mehr.

Drücken wir den Menschen die Daumen, dass der Buddhismus in diesem Land stärker ist als die Gewalt!

Mallorca + der Camino Real

23.09.2007

Ein Verleger auf Abwegen – so könnte man zumindest sagen. Die Vorbereitungen für die Frankfurter Buchmesse sind im Grunde alle durch – was genau heißt: Jetzt sind die Drucker dran.

Und da hat man sich mal eine kleine Auszeit verdient. Aber gibt es eine Reise, die einen Reiseverleger nicht ans Reisen erinnert? Wohl kaum.

Kathedrale von Palma

Und so bin ich unterwegs in den Straßen von Palma de Mallorca. Gestern Abend noch Frank Zander auf der Schinkenstraße gesehen, heute zu den Füßen einer außergewöhnlichen Kathedrale, deren Inneres ebenso von den Werken von Gaudi geziert wird, wie auch von älteren und neueren Künstlern. Zahlreiche bunte Rosetten zaubern das Licht der Sonneninsel in das Innere, ein unvollendeter Baldachin Gaudis schwebt über dem Altarschiff.

Von hier aus führen die Gassen einer reizvollen Altstadt zu einer Art Pilgerort. Für Deutsche? Für Englänger? Nein, der Ballermann ist an der Playa de Palma rund 5 Kilometer weg. Aber auch US-Amerikaner entdeckten Palma de Mallorca, denn hier liegt ihre Religion begründet.

Junipero Serra, Palma
Das Christentum? Ja, das amerikanische schon. Denn hier, in Palma de Mallorca lebte und predigte Junipero Serra, bevor er 1747 in die Neue Welt aufbrach. Er landete in Mexiko an und machte es sich zur Aufgabe – zu einer, von der 25 Missionsstationen zeugen – den amerikanischen Westen für die spanische Krone und die katholische Kirche zu missionieren.

Dafür steht seine Statue heute in den Straßen von Palma – und nicht nur da, es steht auch eine neben der Kirche Nuestra Senora de los Dolores. Diese wurde übrigens irgendwann umbenannt in San Fransisco de Asis und war der Grundstein der Westküstentraumstadt San Francisco.

Eine Überraschung also, dass die heutigen Kalifornier auf seinen Spuren wandeln? Wohl kaum.

Wer noch etwas mehr über Junipero Serra, seinen Camino Real und das koloniale wie auch moderne Kalifornien lesen will: Einfach zu unserem Buch darüber greifen ;-)